KLANG.Bilder / SOUND.Pictures

KLANG.Bilder

made by Yvonne M. Klug

Vornehmlich Schallplattenpressungen der Firmen Amiga & Eterna (ehemalige DDR-Pressungen) z.T. aus den 1960er Jahren transformiert Yvonne M. Klug vom vormals akustischen Kunstwerk in ein nunmehr visuelles Piece of Art.
Die KLANG.Bilder verbinden zum Einen die beiden idealen geometrischen Figuren Quadrat & Kreis perfekt miteinander; zum Anderen bewirkt die individuelle Oberflächengestaltung, dass der Blick nicht mehr vom Objekt loskommt & stets neue Entdeckungen macht.
Die oftmals dreidimensionalen Strukturen ihrer KLANG.Bilder schafft die Künstlerin u.a. durch den Einsatz diverser Metalle, Metall-Oxide & eigenständig entwickelter Patina. Die wundervollen & einzigartigen Oberflächenstrukturen erinnern an aktive Vulkan-Krater, irrationale Landschaften, Planeten-Umlaufbahnen oder einem Blick aus dem All auf unseren Planeten.

Oder, um es mit den Worten des Kollegen Mathias Hog zu sagen:
„DAS SCHÖNSTE, WAS EINE SCHALLPLATTE WERDEN KANN.“

Stille gibt es nicht.

zu den KLANG.Bildern von Yvonne M. Klug

Musik und Bildende Kunst – das ist eine Geschichte von Berührungen, von produktiver Spannung, von Intermedialität, von wechselseitiger Beeinflussung, von Grenzübergängen, von freiem Wechseln aus der einen in die andere Disziplin. Gute Kunst ist stets ein polyphones Miteinander.
Wie ist es nun mit den „KLANG.Bildern“ von Yvonne M. Klug? Kann man diese Bilder hören? Ist die Musik, ist die Synästhesie in ihnen strukturell angelegt? In jedem Fall sind ihre Werke ein Beleg dafür, wie sich die Grenzen der Musik und der Bildenden Kunst im Laufe des 20. Jahrhunderts bis heute zunehmend aufgelöst haben: In diesem Sinn ist die Künstlerin eine Nachfolgerin musikalisierter Bildender Kunst von etwa Wassily Kandinsky, Paul Klee, Fluxus oder Jackson Pollock. Auch sie schafft offene, synästhetische Kunstwerke.
„There is no such thing as silence.“, hat John Cage einmal gesagt. Und so ist es auch bei den Wandplastiken von Yvonne M. Klug. Die Künstlerin verwendet für ihren Aufbau Schallplatten aus Vinyl, die sie auf mannigfache Weise weiterverarbeitet. Doch unter der neuen Haut sind die Schallplatten – und damit ihr Klang verborgen.
Es ist ein besonderes Geheimnis, das die KLANG.Bilder umwölkt: In unverwechselbarer Neukombination ihrer Materialien schafft Klug Oberflächen, die an Vulkan-Krater erinnern, an Naturphänomene, an Blicke aus dem All. „Aus dem ehemaligen Klang-Erlebnis“, so die Künstlerin, „wird ein nunmehr visuelles Kunst-Objekt, feine Strukturen werden durch grobe Oberflächen überhöht und die farbliche Gestaltung erfolgt durch den gezielten Einsatz von Metallen und Patina.“

Was wir nicht hören, aber doch fühlen, das ist dieses Klangerlebnis, das aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinreicht. Dieser Prozess der Transformation ist ungewöhnlich. Die Umformung des Tonträger-Materials Vinyl durch Metalle, Metall-Oxide und weiteren Materialen kommt einer Verschleierung des Ursprungs gleich. Vor allem alte Schallplatten aus der DDR benutzt die in Thüringen lebende Künstlerin und konserviert damit auch die Geschichte ihrer Heimat in ihren Kunstwerken.
Die Bearbeitung dieser Objekte offenbart eine große Bandbreite künstlerischer Techniken. Vieles kommt hier zuzsammen, hinterlässt Spuren, hinterlässt Patina. All das atmet Geschichte, all das lässt Raum für Experimente, für Kontextverschiebungen. Die Künstlerin baut ihre Objekte mit Virtuosität aus Materialien wie Papier, Marmormehl, Metalloxiden oder sogar Beton.
In der Form bleibt sie aber stets an das gebunden, was am Anfang steht. An das geometrische Rund der Schallplatte, an die Form, der sie in ihrer künstlerischen Arbeit folgt. Der Sound in den Rillen des Vinyls. Sound and Vision. Das ist der unsichtbare Kern dieser Kunst. „Die Musik ist der vollkommenste Typus der Kunst: Sie kann ihr letztes Geheimnis nie enthüllen.“, schrieb Oscar Wilde. Die Kunst von Yvonne M. Klug lehrt uns ein weiteres Mal, dass auch die Bildende Kunst voller tiefer Geheimnisse ist.

Marc Peschke
[Kunsthistoriker, Kulturjournalist, Texter, Fotokünstler; Hamburg & Wertheim]

 

WERKSTATT.Atelier

YVONNE M. KLUG
Siemensstraße 9
D-63840 Hausen (Lkr. MIL)